Auto
Dienstag, der 05. Mai, Nadja
Nach einer für Nadja erstaunlich erholsamen Nacht, und einer zu kurzen Erholungspause für Reinhard, weckte uns der Handywecker mit leisem Geklingel um 08:30 Uhr. Reinhard ging uns das versprochene "free Breakfast" holen, 2 Kaffee und ein Blaubeer-Vollkorn-Muffin. Yummie, willkommen im Land der Zuckerkringel und Riesenkaffees.
Eine kurze Wasch- und dafür umso längere Denkphase vor geöffnetem Koffer später, standen unsere beide Helden das erste Mal auf Vancouvers Strassen. Mit einem erklärendem Zettel des diensthabenden Concierge fanden wir auch erstaunlich schnell den Weg zur Haltestelle des Busses, der uns nach Tsawassen bringen sollte. Natürlich hatten wir erstmal einen kleinen Abstecher in das direkt danebenliegende Waterfront-Building gemacht, um A. einen Blick auf den Canadaplace zu werfen (ein Gebäude, das aussieht als habe man die Oper von Sydney in die Länge gezogen) und B. eine Tageskarte für Vancouver zu erstehen. Noch einen Kaffee und eine vegetarische und eine Breakfast-Roll später, mit frisch gekauften Karten von Greater Vancouver in den Taschen saßen wir im richtigen Bus.
Busfahren in Vancouver macht übrigens richtig Spass, wenn man selber kein Gepäck mehr hat, dafür aber andere arme Löffel bedauern kann, die sich gerade damit abschleppen, nicht wissen wie man bezahlt, und auch sonst nichts richtig machen ;)
Manche Busfahrer werden dann auch leicht nervös, wenn sich trödelige Touristen, Rollstuhlfahrer und Gepäckmonster häufen. So wie unser energischer Driver, als eine ältere Dame den bereits gut gefüllten Stauraum betrat. Er machte sich Luft indem er erst über die Schulter ein: "The Lady needs a seat!" in die nicht aufnahmebereite Runde warf, um dann als sie meinte, sie bräuchte nicht unbedingt einen, hinzuzufügen: "If I offer you a seat, you take it!" Echt autoritär, die Jungs hier.
1 1/2 Std. später waren wir dann am Fähranlieger von Tsawassen, um zu erfahren, dass unsere Autovermietung irgendwo im Ort selber war. Nach einem Anruf dort bekam Ray ein kurzes: "Grab a Taxi." zugeworfen. Gesagt, getan. Auf zu Rent-a-Wreck. Die folgenden Ereignisse waren geradezu epischer Natur...
Wir hatten ja nicht erwartet, dass die Autovermietung ein winziger Reparaturservice ist. Dann kam das lange Gesicht, als uns mitgeteilt wurde, dass sie Autos gar nicht für drei Monate vermieten, sondern immer nur einen Monat lang. Ob wir denn für unsere Reservierung keine Cancellation-Email bekommen hätten. HÄH? Na egal, nach anfänglichen Verständigunsschwierigkeiten, anschauen, Kopf schütteln, Schulterzucken, bekamen wir den interessanten Vorschlag unterbreitet, das Auto doch einfach zu kaufen. MOMENT!!! Macht ihr hier das öfter so? Ray nicht begeistert, Nadja nicht begeistert. Also, was tun. Erstmal Barry, den Inhaber des Ladens nach genaueren Angaben fragen: Welches Auto überhaupt, wieviel soll das Super-Sonder-Angebot denn kosten, kriegen wir hier überhaupt ne Versicherung und damit auch Nummernschilder? Wie werden wir das Vehikel hinterher wieder los und wollen wir das alles überhaupt? Wir wurden dann erstmal in den Regen auf den Hof geschickt, um uns das Auto anzuschauen. Ein Ford Windstar. Nie gehört, nie gesehen. Ein riesiger Family-Van in blassmetallicgrün, Schiebetüren auf beiden Seiten und getönten Heckscheiben. Hier ein Kratzer, dort ne Delle, aber sonst anscheinend in gebrauchten aber guten Zustand. Nocheinmal kurzes Grübeln, aber nach einem Probestart und einem Blick unter die Motorhaube die tapfere Entscheidung; Was solls?!
Im Laden fing dann erst die große Diskussion an. Immerhin kauft man ja nicht jeden Tag ein Auto. Erstmal alles klären, und somit gleich mal das eingerostete Englisch wieder aufpolieren. Aber Barry war geduldig und ließ auch solche Einwürfe von Nadja ruhig über sich ergehen wie: "It is pretty banged up already!" Alles kein Problem. Das Ding musste wohl dringend vom Hof. Hmmm... Nachdem wir erklärt hatten, dass in Deutschland keiner seine Geburtsurkunde mit sich durch die Gegend schleppt - die Kanadier schon - und unsere Pässe dafür herhalten mussten, wurden wir nach Unterschrift des Kaufvertrages mit Rücknahmegarantie zur nächsten Versicherung geschickt. Die kannten Barry schon und halfen uns mit allem Weiterem sehr fürsorglich. Bei der Gelegenheit konnten wir auch gleich zur Ausbildung einer jungen Angestellten dienen, die unsere nicht umkomplizierten Versicherungsunterlagen ausfüllte. Sobald wir von Rays Versicherung aus Deutschland die kopierten, übersetzten Unterlagen erhalten, kriegen wir auch hoffentlich noch einen ordentlichen Refund, da wir im Moment noch unter New-Driver-Insurance laufen. Das muss ja nicht sein.
Abschließender Handshake und Erhalt der Nummerschilder besiegelten unser weiteres Schicksal und nach kurzer Montage der Schilder, Fotos von allen wichtigen Mitwirkenden, Barry und Andrew von Rent-a-Wreck mit Auto und den neuen stolzen Besitzern fuhren wir in den Ort und begossen unseren spontanen Kauf mit Tim Hortons Kaffee. Yeah! Noch nie so schnell ein Auto gekauft. Ray fuhr uns dann auch butterweich nach Hause zurück und wir genossen den erstaunlich hohen Sitzkomfort der Karre. So wär ich gern nach Kanada geflogen! Das Auto erstmal irgendwo in der Nähe des Hostels abgestellt und los gings, das günstigste Parkhaus suchen. Nach kurzer Tour durch die umliegenden Straßen kam uns die Erkenntnis: Gibts nich! Also nahmen wir das am nächsten liegende, zahlten unsere 35 $ für 2 Tage und verkrochen uns glücklich aber müde wieder im Cambie Hostel. Dort saß die Nadja nun gerade über den Laptop gekauert bei zugezogenen Gardinen, weil der Ray noch schlafen wollte, und stellte fest: Hier ist es gerade 19 Uhr und fühlt sich auch so an. Jetlag kommt wohl später erst, vielleicht im Kino. Dann findet ihr mich dort, wo jemand leise schnarcht...
OOOkay, hier bin ich wieder. Nach einem kurzen Marsch durch die City, wiederum nach Anweisung unseres freundlichen Mitarbeiters am Empfangstresen, fanden wir uns vor einem von Vancouvers großen Kinos wieder. Nix wie rein, Tickets kaufen und ab durch die Mitte nach links außen an den Rand im Riesenkinosaal. Klar doch, wir haben X-Men Origins: Wolverine gesehen. Und klar doch, ich mochte ihn natürlich. Aber auch Reinhard ließ sich von actionreichen Verfolgungsjagden, brüllenden Mutanten und explodierenden Hubschraubern begeistern und ist nur ein- oder zweimal eingeschlafen. Immerhin, nach dem Tag. Auf dem Weg nach Hause sind wir noch in ein japanisches Restaurant eingekehrt und haben echt lecker Sushi gegessen. Falls ihr mal in Vancouver seid, sehr zu empfehlen. Sushi gibts hier an jeder Ecke für günstig und saulecker. Dann wars auch schon 23:00 Uhr, wir sind brav nach Hause getigert und alsbald in den allein seligmachenden Tiefschlaf der Ermatteten gesunken.
Morgen ist der Ray wieder für euch da. Stay tuned!
Nach einer für Nadja erstaunlich erholsamen Nacht, und einer zu kurzen Erholungspause für Reinhard, weckte uns der Handywecker mit leisem Geklingel um 08:30 Uhr. Reinhard ging uns das versprochene "free Breakfast" holen, 2 Kaffee und ein Blaubeer-Vollkorn-Muffin. Yummie, willkommen im Land der Zuckerkringel und Riesenkaffees.
Eine kurze Wasch- und dafür umso längere Denkphase vor geöffnetem Koffer später, standen unsere beide Helden das erste Mal auf Vancouvers Strassen. Mit einem erklärendem Zettel des diensthabenden Concierge fanden wir auch erstaunlich schnell den Weg zur Haltestelle des Busses, der uns nach Tsawassen bringen sollte. Natürlich hatten wir erstmal einen kleinen Abstecher in das direkt danebenliegende Waterfront-Building gemacht, um A. einen Blick auf den Canadaplace zu werfen (ein Gebäude, das aussieht als habe man die Oper von Sydney in die Länge gezogen) und B. eine Tageskarte für Vancouver zu erstehen. Noch einen Kaffee und eine vegetarische und eine Breakfast-Roll später, mit frisch gekauften Karten von Greater Vancouver in den Taschen saßen wir im richtigen Bus.
Busfahren in Vancouver macht übrigens richtig Spass, wenn man selber kein Gepäck mehr hat, dafür aber andere arme Löffel bedauern kann, die sich gerade damit abschleppen, nicht wissen wie man bezahlt, und auch sonst nichts richtig machen ;)
Manche Busfahrer werden dann auch leicht nervös, wenn sich trödelige Touristen, Rollstuhlfahrer und Gepäckmonster häufen. So wie unser energischer Driver, als eine ältere Dame den bereits gut gefüllten Stauraum betrat. Er machte sich Luft indem er erst über die Schulter ein: "The Lady needs a seat!" in die nicht aufnahmebereite Runde warf, um dann als sie meinte, sie bräuchte nicht unbedingt einen, hinzuzufügen: "If I offer you a seat, you take it!" Echt autoritär, die Jungs hier.
1 1/2 Std. später waren wir dann am Fähranlieger von Tsawassen, um zu erfahren, dass unsere Autovermietung irgendwo im Ort selber war. Nach einem Anruf dort bekam Ray ein kurzes: "Grab a Taxi." zugeworfen. Gesagt, getan. Auf zu Rent-a-Wreck. Die folgenden Ereignisse waren geradezu epischer Natur...
Wir hatten ja nicht erwartet, dass die Autovermietung ein winziger Reparaturservice ist. Dann kam das lange Gesicht, als uns mitgeteilt wurde, dass sie Autos gar nicht für drei Monate vermieten, sondern immer nur einen Monat lang. Ob wir denn für unsere Reservierung keine Cancellation-Email bekommen hätten. HÄH? Na egal, nach anfänglichen Verständigunsschwierigkeiten, anschauen, Kopf schütteln, Schulterzucken, bekamen wir den interessanten Vorschlag unterbreitet, das Auto doch einfach zu kaufen. MOMENT!!! Macht ihr hier das öfter so? Ray nicht begeistert, Nadja nicht begeistert. Also, was tun. Erstmal Barry, den Inhaber des Ladens nach genaueren Angaben fragen: Welches Auto überhaupt, wieviel soll das Super-Sonder-Angebot denn kosten, kriegen wir hier überhaupt ne Versicherung und damit auch Nummernschilder? Wie werden wir das Vehikel hinterher wieder los und wollen wir das alles überhaupt? Wir wurden dann erstmal in den Regen auf den Hof geschickt, um uns das Auto anzuschauen. Ein Ford Windstar. Nie gehört, nie gesehen. Ein riesiger Family-Van in blassmetallicgrün, Schiebetüren auf beiden Seiten und getönten Heckscheiben. Hier ein Kratzer, dort ne Delle, aber sonst anscheinend in gebrauchten aber guten Zustand. Nocheinmal kurzes Grübeln, aber nach einem Probestart und einem Blick unter die Motorhaube die tapfere Entscheidung; Was solls?!
Im Laden fing dann erst die große Diskussion an. Immerhin kauft man ja nicht jeden Tag ein Auto. Erstmal alles klären, und somit gleich mal das eingerostete Englisch wieder aufpolieren. Aber Barry war geduldig und ließ auch solche Einwürfe von Nadja ruhig über sich ergehen wie: "It is pretty banged up already!" Alles kein Problem. Das Ding musste wohl dringend vom Hof. Hmmm... Nachdem wir erklärt hatten, dass in Deutschland keiner seine Geburtsurkunde mit sich durch die Gegend schleppt - die Kanadier schon - und unsere Pässe dafür herhalten mussten, wurden wir nach Unterschrift des Kaufvertrages mit Rücknahmegarantie zur nächsten Versicherung geschickt. Die kannten Barry schon und halfen uns mit allem Weiterem sehr fürsorglich. Bei der Gelegenheit konnten wir auch gleich zur Ausbildung einer jungen Angestellten dienen, die unsere nicht umkomplizierten Versicherungsunterlagen ausfüllte. Sobald wir von Rays Versicherung aus Deutschland die kopierten, übersetzten Unterlagen erhalten, kriegen wir auch hoffentlich noch einen ordentlichen Refund, da wir im Moment noch unter New-Driver-Insurance laufen. Das muss ja nicht sein.
Abschließender Handshake und Erhalt der Nummerschilder besiegelten unser weiteres Schicksal und nach kurzer Montage der Schilder, Fotos von allen wichtigen Mitwirkenden, Barry und Andrew von Rent-a-Wreck mit Auto und den neuen stolzen Besitzern fuhren wir in den Ort und begossen unseren spontanen Kauf mit Tim Hortons Kaffee. Yeah! Noch nie so schnell ein Auto gekauft. Ray fuhr uns dann auch butterweich nach Hause zurück und wir genossen den erstaunlich hohen Sitzkomfort der Karre. So wär ich gern nach Kanada geflogen! Das Auto erstmal irgendwo in der Nähe des Hostels abgestellt und los gings, das günstigste Parkhaus suchen. Nach kurzer Tour durch die umliegenden Straßen kam uns die Erkenntnis: Gibts nich! Also nahmen wir das am nächsten liegende, zahlten unsere 35 $ für 2 Tage und verkrochen uns glücklich aber müde wieder im Cambie Hostel. Dort saß die Nadja nun gerade über den Laptop gekauert bei zugezogenen Gardinen, weil der Ray noch schlafen wollte, und stellte fest: Hier ist es gerade 19 Uhr und fühlt sich auch so an. Jetlag kommt wohl später erst, vielleicht im Kino. Dann findet ihr mich dort, wo jemand leise schnarcht...
OOOkay, hier bin ich wieder. Nach einem kurzen Marsch durch die City, wiederum nach Anweisung unseres freundlichen Mitarbeiters am Empfangstresen, fanden wir uns vor einem von Vancouvers großen Kinos wieder. Nix wie rein, Tickets kaufen und ab durch die Mitte nach links außen an den Rand im Riesenkinosaal. Klar doch, wir haben X-Men Origins: Wolverine gesehen. Und klar doch, ich mochte ihn natürlich. Aber auch Reinhard ließ sich von actionreichen Verfolgungsjagden, brüllenden Mutanten und explodierenden Hubschraubern begeistern und ist nur ein- oder zweimal eingeschlafen. Immerhin, nach dem Tag. Auf dem Weg nach Hause sind wir noch in ein japanisches Restaurant eingekehrt und haben echt lecker Sushi gegessen. Falls ihr mal in Vancouver seid, sehr zu empfehlen. Sushi gibts hier an jeder Ecke für günstig und saulecker. Dann wars auch schon 23:00 Uhr, wir sind brav nach Hause getigert und alsbald in den allein seligmachenden Tiefschlaf der Ermatteten gesunken.
Morgen ist der Ray wieder für euch da. Stay tuned!
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