Prinz George

Veröffentlicht auf von Nadja + Reinhard

07. Juni -Reinhard-

Die Nacht im Dorm war kurz und bündig. Die Uhr zeigte nur wenig nach sieben, da traf mich Nadja in der Küche. Ein Frühstück wurde zusammengewürfelt und dann ging es an die Planung. "Käpt'n wohin geht die Reise?" Vom touristisch voll erschlossenem Teil der Rockys sollte es nun zwei Tage nach Westen gehen, dann über den Stewart-Cassier Highway nach Norden und dann mal sehen. Die Welt der Jugendherbergen hatte hier ein Ende und einige lustlos gestreute Telephonate Richtung Sonnenuntergang brachten auch nicht viel. Von Peter bekamen wir Adressen, bei denen wir vor Ort mal schauen könnten und Traudel zeigte uns ein paar Übungen für Nadja's Knie. Von einer Krankengymnastin nahm man das auch sehr dankbar entgegen.

Bevor wir Jasper verliessen, gab es noch eine Sache zu erledigen. Wir fuhren die Straße vor dem Hostel weiter den Berg hinauf. Am Ende war ein Parkplatz und von hier ging es mit der Jasper Tramway nauffi auf's Bergli. Da oben hatte es eine tolle Aussicht, viel Wind und kalte Ohren.
Die Seilbahn selber war 1964 von einer deutschen Firma an den Berg genagelt worden, ein Porsche wurde zerlegt und dessen Motor zieht seitdem die zwei Gondeln den Hang hinauf. So kamen wir bequem über die Baumgrenze, ohne eine vierstündige Wanderung zu absolvieren.

Nach diesem hübschen Ausblick rammten wir die Sporen in die Flanken des Windstar und ritten von hinnen. Die Fahrt selber war ziemlich Ereignislos, Berge, Wälder und Flüsse in beliebiger Reihenfolge. Schön aber auch etwas ermüdend. Gegen fünf erreichten wir Prinz George, die letzte große Stadt auf dieser Seite der Landkarte. Berühmt ist dieser Platz für seine abgestorbenen Bäume, sonst ist es nur ein Umschlagplatz für allerlei Güter und Touristen. Die erstaunlich große Touri-Info im Bahnhof hatte noch offen und so erfuhren wir von den billigsten Motels in der Stadt. Unsere Wahl fiel auf das Downtown Motor Inn, eine zweistöckige Absteige die in keinem Roadmovie fehlen darf. Die Preise waren o.K. und das Zimmer war es auch. Kein Internet aber großer Fernseher und Kühlschrank. Wir richteten uns in Zimmer Nr. 67 ein und erkundeten die ausgestorbene Innenstadt. Zum Abendessen besorgten wir uns leckere Subs von Subway und räkelten uns auf dem Doppelbett. 50 Kabelkanäle voller Mist zappten wir nun rauf und wieder runter. Das Fernsehen hier ist noch grauenvoller als zu Hause. Zehn Minuten Film werden gefolgt von fünf Minuten Werbung, auf allen Kanälen. Es war einfach, komplett alle Kanäle von Werbeblock zu Werbeblock durchzuschalten. Wenn nur die Werbung nicht so grottenschlecht gewesen wäre und immer wieder das selbe in Schleife käme. Wer braucht denn Katzenfutter mit Käse-Cranberry-Geschmack? Dann kam jedes Mal ein Hinweis zur Verwendung nicht jugendfreier Sprache, das konnten wir bald mitsingen. Mitternacht waren wir bedient.

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H
"Wer braucht denn Katzenfutter mit Käse-Cranberry-Geschmack?" Hey, jedes Werbeopfer. Was machst du nochmal beruflich? *g* Würde das auch sofort für eure Katze besorgen, wenn es sowas hier gäbe!
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