Penticton

Veröffentlicht auf von Nadja + Reinhard

02. Juni -Nadja-

So lange hatten wir seit Tagen nicht mehr geschlafen. Tief und fest schnorchelten wir bis in den Vormittag hinein. Ausgeruht und erfrischt stürzten wir uns auf das Frühstück. Lecker Omelett mit Kapern, gefüllt mit den Resten vom Vorabend. Dann ging jeder seiner Wege. Reinhard entrümpelte das Auto vollständig und bürstete alles aus. Dann wollte er vom Hof fahren und übersah leider ein Stück T-Träger am Wegesrand. Rumms! machte es und wir hatten eine neue Beule in der Sammlung. Also wurde das Vehikel wieder in Parkposition gebracht und der Ray verbrachte einen Gutteil des Tages mit dem Versuch, die Beule wieder aus der Karosserie zu drücken. Das war schwieriger als gedacht, denn der Ford hatte eine doppelte Metallumhüllung. Nach einigem Schwitzen, Fluchen und in den Radkasten kriechen kam Reinhard zum Schluss, dass die Beule uns wohl begleiten musste. Mist. Na ja, war ja nicht die Erste, die der Wagen sah.

Ich verzog mich mit Laptop und Bein in den Aufenthaltsraum und widmete mich dem Blog. Es wollte noch geschrieben und hochgeladen werden. Ein holländisches Paar war eingetroffen und saß nun zwei Tische weiter vorne, um auf die Rezeption zu warten. Kaum hatten es sich die beiden gemütlich gemacht, kam Damien um die Ecke. Ein ansässiger Arbeiter mit starkem Hang zum Alkohol. Er gesellte sich den beiden ohne Vorwarnung hinzu. Sie sprach ganz gut Englisch, ihr Partner leider nicht, und so kommunizierten sie in holländisch miteinander. Damien war bereits leicht angetrunken und in diesem Zustand auch leicht erregbar. Er dachte wohl, das Paar würde hinter seinem Rücken über ihn reden und fing an sie als "Fucking Krauts!" zu beschimpfen. Auf ihren Hinweis, sie wären keine Deutschen, meinte er das sei auch besser so, die könne er nämlich nicht leiden. Hmm! Sagste jetzt was, zum Beispiel dass du jedes Wort hörst und den Inhalt nicht magst? Aber mit dem Handicap des Humpelbeines wollte ich mich da nicht einmischen. Ich kabelte mich also aus dem Internet und verschwand im Zimmer.

Ich verbrachte den Tag faul mit dem Internet und unterbrach diese Tätigkeit eigentlich nur, um dem Reinhard ein Sandwich zu fertigen. Der fuhr den Wagen zwischenzeitig zur Innenreinigung. Das konnte dauern und so fläzte ich mich in der Nachmittagssonne mit einem kanadischen Weißwein in den Innenhof und ließ mich dank Youtube berieseln und schrieb noch ein paar Emails gen Deutschland. Auch nicht schlecht. Das Okanagan-Valley liegt im südlichen Teil Kanadas und ist berühmt für das mildeste Klima des Landes, sein ausgedehntes Obstanbaugebiet, seine Weinberge mit ziemlich guten Tropfen und einem See, in dem das nordamerikanische Pendant zu Nessie leben soll. Anders als sein schottischer Bruder wurde Ogopogo aber nie fotografiert. Ha! Einmal ist immer das Erste Mal. Ich halte meine Augen offen.

Angeheitert von so viel Sonnenschein und dem Landwein, begab ich mich recht früh wieder in die Küche, um das Abendessen zuzubereiten. Lauwarmer Kartoffel-Tomatensalat mit Croutons und Kapern (die mussten weg). Dazu hatten wir uns ein bisschen Lachs gegönnt. Kaum war ich mit dem Braten des Fisches fertig, kam Ray von der Autoputzaktion zurück. Im milden Abendklima saßen wir draußen und prosteten uns zu. Wir hatten das Besteck gerade abgelegt, als Damien samt Tasche und Fahne in den Hinterhof gelaufen kam. Zack! saß der Mann neben mir, kramte eine Zigarette raus obwohl hier wirklich ÜBERALL No-Smoking-Schilder hingen und drängte uns eine Konversation auf. Offentsichtlich war er aus dem Hostel geflogen, wohl wegen des Alkohols oder seiner freundlichen Art den Gästen gegenüber. Wir konnten ihn dann davon überzeugen, wenigstens das Rauchen auf den Parkplatz zu verlegen. Nach einigem hohlen Geplapper torkelte er von dannen ins Gebäude gegenüber, wo ein Freund von ihm leben sollte. Wir atmeten erleichtert auf und öffneten ein letztes Bier.

Nach etwa 1 Stunde hörten wir ihn dann wieder, an der Hand einer jungen Frau wurde er über die Straße geleitet. Auf ihrem anderen Arm ein Kleinkind. Sie fragte noch kurz, ob sie ihn bei uns abladen könnte. Sie sei nur Bartenderin, kenne ihn nicht und vermutete, er sei ihr von der Arbeit nach Hause gefolgt. Damien fiel in einen Stuhl, wir verzogen uns nach vorne auf die Eingangstreppen. Dazu muss mal angemerkt werden, dass Rauchen hier nicht gerne gesehen wird und Alkoholika auf der Straße striktweg verboten sind. So saßen wir beiden Outlaws denn auf der Vordertreppe bei Bier und Zigarettchen als unvermuteterweise zwei Polizeiwagen vor uns hielten. Das fand ich jetzt aber doch übertrieben. Schnell stellte sich aber raus, dass die uniformierten Ordnungshüter wegen unserem betrunken Freund im Hinterhof hierher bestellt worden waren. Reinhard ließ den Einen durch die Vordertür herein, der Andere schlich sich von hinten an und weg war der Ruhestörer. Den sehen wir wohl so schnell nicht wieder. Wir waren bedient, und krochen erheitert in die Koje.
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T
Moin ihr Vögel, oder besser Reinhard du Vogel.<br /> Ich bin mal zufällig auf meine ALTE EMAILADRESSE gegangen um mal zu schauen, ob der liebe Reinhard sich hier gemeldet hat und siehe da, da ist ne email mit dem Link. Du Honk. Hab dir doch meine "neue" (seit Sommer 2008) Emailadresse gesagt.<br /> Naja, egal. Auf jeden Fall weis ich nun, dass euch der besagte Bär noch nicht im Bauch hat ;-)<br /> Jetzt werd ich mich mal 7-17 Tage aus der realen Welt ausklinken und versuchen die Berge an Informationen zu bewältigen, die ihr hier für diejenigen, die wir nicht dabei sein dürfen, hinterlassen habt. Schönen Dank. Schönen Tag. Schönen. Nix Verschönen. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Auf Wiederhören.
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