Victoria

Veröffentlicht auf von Nadja + Reinhard

08./09. Mai -Ray-

Aufgrund einer kleinen körperlichen Intoleranz legten wir am Donnerstag einen Tag Pause ein. Wie auch immer, abends waren wir wieder frisch und vor allen Dingen hungrig. Ray hatte Zutaten im Wert eines Restaurantbesuches besorgt und alsbald sah man ihn fröhlich mit stumpfen Hostelmessern darauf herumhacken. Nach einer Stunde in der Futterwerkstatt gab es ein zünftiges Steak mit Stampfkartoffeln-Victoria und Tomaten-California.

Um dieses Hostel ein wenig zu beschreiben: es ist ein buntes Haus im Herzen der Innenstadt, das Auto parkt 15 min Fußweg entfernt irgendwo in der Werftstraße am Hafen. Wenn man die Lobby betritt, empfängt den Besucher ein großer Tresen mit sehr freundlichem Personal, welches alle zwei Stunden ein neues Gesicht anzieht. Um den runden Tresen herum, kann man rechts ins Treppenhaus abbiegen oder weiter herum in die Mediaecke laufen. In der finden sich in der Regel junge Menschen, die sich wie beim Gesichtsbräuner eine Bildschirmlampe ins Antlitz scheinen lassen. Von diesem Raum aus geht es in den hinteren Bereich des Erdgeschosses, es folgt ein Raum mit je einer Saloontür vorne und hinten. Der Raum ist der Länge nach aufgeteilt, rechts drei hohe Tische mit Hochstühlen, links vom Gang eine Reling. Dahinter befindet sich die Bar mit exact zehn Sitzplätzen. Laut Schankgesetz von B.C. darf nur an der Bar Alkohol getrunken werden, auf der anderen Seite der Reling muss zum Bier Essen bestellt werden. Die zehn Plätze von Nordamerikas kleinster Bar sind natürlich heiß begehrt. Verlässt man den Raum hinten, geht es ins Esszimmer, wo sich Tische und Stühle tummeln. Ein Ort der Ruhe befindet sich woanders, da fast jeden Abend Liveacts ihre folkloristischen Ausbrüche in dieser Lokalität zur Schau stellen. Ganz hinten durch befindet sich die Küche vom Hostel. Dort findet man drei Gasherde und jede Menge halbsauberes Geschirr.
Im ersten Stock befinden sich in der Hauptsache Mehrbettzimmer, die Privaträume sind natürlich ganz oben. Wir haben ein kleines Zimmer, zum Glück nahmen wir nicht das ganz Kleine, dort hätten nur unsere Rucksäcke hineingepasst. Zurück zum Text.

Da an der Bar kein Platz frei war, gingen wir aufs Zimmer zur Planung des nächsten Tages. Eine Stunde später fanden wir doch noch zwei Plätzchen und auf Grund der Enge kam man unweigerlich in Kontakt mit der Bevölkerung. So lernten wir Kim Angel kennen, die mit ihrer Freundin Chantal neben uns saß. Kim ist Victorianerin, arbeitet auf dem Postamt und Schantalle kommt aus Tralien. Und sie hatten Neil aus Liverpool dabei. Verwirrend, finden Sie nicht? Jedenfalls sollen wir uns dringend wieder bei Kim melden, sobald wir von unserem Inseltrip zurückkommen. Das in dieser Stadt gebraute Bier hat es also in sich.

Der nächste Morgen war ein Samstag, mit Sonne und blauen Wolken am weißen Himmel. Von Kim hatten wir den Tip bekommen, daß im Stadtteil Quadra ein Straßenfest sei, unter anderem mit kostenlosem Espresso im Cafe Fantastiko. Das Cafe steuerten wir direkt an, leider war die Espressomaschine noch nicht aufgebaut. Wir bezahlten unsere Ration Koffein und bekamen dazu ein wirklich leckeres Croissant. Leicht gestärkt machten wir uns an unser Tagewerk, es galt die Ausrüstung zu komplettisieren. Töpfe, Pfannen, Besteck und andere Utensilien hatten wir nicht dabei. Wir wollten stabiles Zeug, keinen klapperigen Zusammensteckdünnpfiff, mit eingeschränkter Funktionalität. Wo findet sich das alles für günstig? Im Secondhand-Laden natürlich. Wir hatten eine kleine Liste mit 14 ausgewählten Shops dabei und begannen am Nordende der Stadt. Von da aus klapperten wir Adresse 1 bis 4 ab, ohne Erfolg. Beim fünften Geschäft stießen wir auf ein sehr großes Warenhaus, vollgestopft mit abgelegter Zivilisation. Für kleines Geld stopften wir mehrere Tüten voll und zogen wie die Kesselflicker klöternt von dannen. Da wir schon zur Mittagszeit das Gröbste abgehakt hatten, gönnten wir uns das beste chinesische Curry von Victoria im Market Square. Es tat gut in der Frühlingssonne zu sitzen, an kross ausgebackenen Zuchinischeiben zu knuspern und den Vögeln beim spielen zuzuhören. Danach begaben wir uns auf einen Spaziergang durch die Stadt, beobachteten einen Kolibri und machten ein paar Ferienbilder.

Doch eine Sache war noch zu erledigen. Wir brauchten Essen für die kommenden Tage. Und so machten wir uns auf, den schlechtesten Walmart an der Pazifikküste zu besuchen. Das war ein ermattendes Ereignis und teuer war es auch. Für die frischen Lebensmittel fuhren wir zu einem gut bestückten Lebensmittelhandel, das war erbaulich aber leider auch teuer. In Kanada sind sämtliche Milchprodukte sehr teuer, Fleisch dagegen ist günstige Ware. Kopfschmerztabletten, Duschzeug und Pflegemittel sind unglaublich teuer, Eier kosten sehr wenig. Wir waren im Ansatz verwirrt, da musste man sich drauf einstellen. Während nach dem Reinheitsgebot verdorbenes Wasser in Deutschland billiger ist als Limonade, zahlt man im wasserreichsten Land der Erde das Vielfache. Ein Sixpack heimgebraute Durchschnittslorke schlägt mit ca 9,- € zu Buche. Ein Fläschle Beck's kostet dann auch schnell so viel wie ein Maurerhandtäschchen im Erzeugerland.

Wir erreichten das Hostel am Abend und waren schon wieder hungrigst. In der Küche bereiteten wir Fettuchini mit Hackfleischsoße vor, während nebenan die Hockey-Play-Off's lärmend aus der Trällerkiste schallten. Und als das zu Ende ging, saßen wir friedlich bei unseren Nudeln, da baute hinter uns schon die nächste Combo ihre Gerätschaften auf. E-Gitarre mit Synthesizer, der Raum leerte sich schlagartig. Wir schwiegen der Beschallung wegen unsere Mahlzeit in uns hinein, als wir Gasgeruch bemerkten. In der Küche war am mittleren Herd eine Flamme ausgegangen und das Sicherheitsventil schloss nicht automatisch. Da saßen wir nun bei schlechter Luft und hätte Nadja nicht nachgeschaut, hätten sich die zwei Musikamöben ins Delirium gespielt und der Applaus wäre möglicherweise gebündelt als Knall gekommen. Wir rissen die Fenster auf und ich meldete den defekten Herd an der Rezeption, ich glaube man hat es irgendwo vielleicht zur Kenntnis genommen. Es wird höchste Zeit, daß wir die Stadt verlassen.
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D
Aloha he, noch immer kein neuer Eintrag von euch...das stimmt uns traurig, ihr habt doch Urlaub verdammt...und massig Zeit!!! Oder wie ist die Aussicht vom Baum aus? Tanzen die Bären unter Euch wenigstens? Für wieviele Tage reicht der Ahornsirup noch? Fragen über Fragen...Wir werden weiterhin alle 10 min nach eurem Eintrag schauen, wenn wir nichts mehr von euch hören machen Arne, Susi und ich ne WG aus eurer Wohnung.
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N
Seit heute, 10.5.09, wissen wir nun endlich dank aufmerksamen Zeitungslesens was ein blog ist und somit sind wir richtig bei euch! Wie wäre es aber mal mit dem Einfügen einer Reisekarte, dann wissen wir wenigstens immer gleich wo wir uns hinbewegen müssen .... und vergesst vor lauter Essen das Wandern nicht .... der Muttertag geht hier übrigens gleich zu Ende!
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