Das Ende der Welt

Veröffentlicht auf von Nadja + Reinhard

24. Mai -Reinhard-

"Potsch, plotsch, platter!" "Krähätthätt, kraha!" Ein paar Raben schissen zielgenau das Zelt dicht. Es war sechs Uhr und Reinhard wurde von Vogel-Dünnpfiff geweckt. Also stand er auf und putzte das Zelt. Über der Insel war der Himmel klar, über dem Wasser näherte sich gemächlich ein dunkles Wolkenband. Mit der Kamera bewaffnet wurden ein paar hübsche Impressionen eingefangen, darunter auch ein Reiher, der im flachen Wasser bei Ebbe sein Frühstück fischte. Eine Stunde verging, Nadja erblickte das Licht der bewölkten Sonne und wir packten unsere Habe ins Fordmobil. Als wir zur Rezeption aufliefen, war diese noch geschlossen und wir entschieden uns zu einem Sandwichfrühstück, welches eigentlich für unterwegs gestrickt war. Dann war es zehn und das Büro war eröffnet. Hier gab es nämlich auch einen kleinen Laden, mit hervorragender Native Art direkt vom Erzeuger. Die Schwester des Künstlers indianischer Motive war heute Morgen sogar vor Ort, wir besorgten uns zu fairen Preisen T-Shirts und Postkarten. Glücklich starteten wir nach Norden durch, in Port Hardy besorgten wir noch dringend benötigtes Salz und Mückenspray auf Vorrat. Man weiß ja nie, wann man es am Nötigsten hat. Gestern Morgen hat Keith uns noch mit einer örtlichen Loggingroadkarte sowie sehr brauchbaren Ratschlägen versorgt, wir waren gerüstet für das kleine Abenteuer.

Von Port Hardy ging es rechts ab in die Wildnis, das Wetter war hervorragend und alsbald traf die galante Fahrerin auf ihre erste Schotterpiste. Der flache Ford schwamm sofort auf und es rumpelte sehr ordentlich in den Radkästen. Der Copilot begann eine Liste gesichteter Schwarzbären, es sollten sechs am Ende des Tages sein. Den ersten Stop machten wir an einem großen alten Baum, der voller angenagelter Schuhe  hing. Was wohl aus den ganzen Besitzern geworden war? Schnell fort von hier.

Weiter ging es bis ans Ende der breiten Schotterpiste, bis gestern hatten Straßenarbeiter noch Drainagen im Kiesbett versenkt. Ohne die frischen Kieshuckel quer über die Fahrbahn hätten wir es einfacher gehabt. Schlaglöcher und Auswaschungen machten dem Auto schon genug zu schaffen. Über die Waldwege der ansässigen Holzzuchtfirma bretterten wir weiter bis nach Holberg, nicht viel mehr als ein Aussenposten der uns bekannten Zivilisation. Nach einem Kilometer Teer hatte die Schuttpiste uns wieder. Dann trafen wir auf eine urige Installation, wo lustige Wegelagerer einen fetten Baum auf ein altes Auto fielen ließen und darüber ein Schild anbrachten, auf dem "Erwarte das Unerwartete" zu lesen war. Danke für den Hinweis ihr Scherzkekse, sieht echt geil aus. Dank der Hinterwaldkarte wussten wir immer, welchen Baum wir gerade umkurvten und weil Sonntag war, gab es zudem erfreulich wenig Forstverkehr.

Nach ca 65 Km Gravel erreichten wir den Parkplatz vom Cape Scott Provincial Park, der erstaunlich voll war. Da standen ca. 15 Autos herum, die meisten Besitzer gingen wohl gerade auf dem neueröffneten Northcoast-Trail verloren. Wir wollten heute nur den 2,6 Km entfernten Strand von St Josef Bay erreichen und betraten einen gut ausgebauten Waldweg. Der Wanderpfad war besser ausgebaut, als die gesamte Strecke hierher, wir waren erstaunt. Warum macht man sich denn die Mühe, so weit zum Strand zu fahren? Weil es sich lohnt! Wir hatten auf dieser Reise ja schon vieles gesehen und schöne Strände waren auch dabei. Aber als wir aus dem moosverhangenen Märchenwald traten, erschlug uns die Bucht im Sonnenlicht mit ihrer Schönheit. Vor uns bot sich eine Lagune wie ein Südseetraum und als wir weiter den Strand hinaufliefen kamen wir an eine Steilküste, die aussah wie ein gemalter japanischer Kalender. Schroffe Felsnadeln erhoben sich aus dem weichen Sand, der sich nass von der auslaufenden Flut spiegelte. Oben drauf wucherte das Grün wie in hundert kleinen Zengärten mit knorrigen Bonsais und dichtem kurzen Gras. Und überall blühten kleine Inseln von Wildblumen hervor. Unten spülte das türkiesblaue Meer nach und nach breite Höhlen in den Fels, ja wo gibt's denn sowas? Wir stolperten staunend durch diese unwirkliche Oase, die bei schlechtem Wetter eine bösartige Natur an den Tag legen kann, die ihresgleichen sucht.

Vollgesaugt mit diesen Eindrücken machten wir uns durch den Wald zurück zum Auto. Der Wald selber hatte unglaublich alte Bäume mit riesigen Wurzeln und befremdlicher Vegetation. Und wie hieingezaubert nagte ein putziges Eichhörnchen seelenruhig eine Nuss im Spiel der Nachmittagssonne.

Wir rumpelten die Schotterstraße einige Kilometer zurück und bogen Richtung Raft Cove Provincial Park ab, ein kleiner Park, fast unbekannt. Oberhalb davon soll es eine "Major Recreation Site" geben, unser Ziel für heute. Als wir das Ende der Straße erreichten, fanden wir nur ein Schild am Wegesrand. Der Wagen wurde rechts und links schon von Buschwerk zerkratzt, weiter ging es nicht. Wir erkundeten die Lage und fanden neben dem Plumpsklo im Wald ein paar Zeltflecken an der schroffen Küste. Mehr war da nicht, nur noch ein neu erstellter Holzpfad zum Wasser. Weil wir unser Schlafbesteck nicht den Hang hinunter tragen wollte, um mit dem Wald im Rücken zu campieren, schlugen wir unsere Wagenburg auf einer Lichtung oberhalb auf, an der nette Menschen uns bereits eine steinumrandete Feuerstelle und Feuerholzkloben hinterlassen hatten. Das Zelt wurde errichtet, doch da die Gegend offensichtlich bärenverseucht war, schliefen dort nur die Rucksäcke und unsere Feuerholzkisten. Wir hatten indessen herausgefunden, wie sich die Rücksitze anschaulich umlegen liessen und bereiteten darauf unsere Luftmatratze. Dann wurde im Licht der untergehenden Sonne ein schnelles Abendessen gerichtet und ein Feuer wurde in Gang gebracht. Dazu machten wir so laut Musik wie wir wollten und ein brillianter Sternenhimmel zog auf. Wir leerten eine Flasche Starkbier und ließen das Feuer immer höher brennen. Da waren wir nun am Ende der Welt, genossen das Ambiente und schwelgten in den Erinnerungen des Tages. Dann öffneten wir aus gegebenen Anlass eine Flasche Jägermeister, zusammen mit O-saft ein bekömmlicher Longdrink. Mit einem excellenten Kaminabend beschlossen wir einen großartigen Tag als kleine Menschen auf einer großen Kugel.


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D
hey ihr lieben! sendet uns mal bitte via mentalvibrations eure tufften und supererholten urlaubseindrücke direkt in unser mentales emfangsgerät!!! ;M-) übrigens feiern wir gerade mit 123 leuten in eurer bude ne richtig coole,chillige und sutsche party! schade das ihr nicht dabei seit...! bis jetzt ist asuch kaum etwas abgebrannt, nur euer bett...und ein paar eurer hitechgeräte sind zum glück auch noch da...gut ne?..morgen oder übermorrgen räum wir dann anber auch auf-keine sorge...ihr habt ja gelernt mit wenig auszukommen in canada...mein gott, ihr wohnt schließlich im auto! ;-) liebe grüße von gianna und kristin
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M
Hallo ihr beiden,<br /> <br /> vielen Dank für die Glückwünsche. Toller Blog übrigens, aber von der Informationsmenge kaum zu bewältigen, wenn man ein paar Tage aussetzt :-)<br /> Hab euch ne mail geschrieben.<br /> Viele Grüße,<br /> Melanie
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I
Alles in Ordnung in "Good Old Germany". Grüsse an Onkel und Tante von Bruno, Liv und Ava ( schon fast 5 Kilo)
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