Garten am Ende der Welt

Veröffentlicht auf von Nadja + Reinhard

25. Mai -Nadja-

Wir schliefen dank der Hilfe vieler genossener Longdrinks wie die Schnapsleichen auf unserem schwebenden Luftbett. Warm wars und zappenfinster. Am Morgen wurden wir durch verdächtiges Getropfe auf dem Autodach geweckt. Aha! Die Sondersonneneinlage war also beendet. Mit leichtem Kater kämpften wir uns aus unseren Schlafsäcken und in unsere Kleidung. Gar nicht so einfach die Aktion, mit nur 20 Zentimetern Kopffreiheit. Der Regen wurde stärker und Reinhard sprang voller Elan aus dem Ford, um zu retten was zu retten war. Ich hatte so meine Schwierigkeiten hinterher zu kommen. Endlich vereint im Regen motzten wir unser Lager zusammen, und uns an. Klamm war alles, das Zelt war tropfnass und so schmissen wir am Ende einfach alles auf die Bänke, weil wir nur noch weg wollten. So richtig hell wurde es auch nicht, aber wenigstens heißen Kaffee hatte Reinhard noch produzieren können. Ohne Frühstück aber mit selten schlechter Laune starteten wir den Rückweg über die Gravelroad. Jetzt konnte man die Schlaglöcher sehen, sie waren ja voller Wasser.

Wir kurvten durch die Logging-Roads zurück bis zur ausgeschilderten Kreuzung und fuhren noch einmal den Weg gen Cape Scott. Kurz hinter der Kreuzung stand ein alter Baumstumpf mit einem malerisch moosigen Schild auf dem "Ronning`s Garden" zu lesen war. Das wollten wir noch sehen. Bert Ronning war ein schwedischer Siedler, der hier bis in die 60er Jahre gelebt hatte. Er verdiente seinen Unterhalt mit Jagen und Fallenstellen und war nebenbei ein passionierter Gärtner, der Pflanzen aus aller Welt importierte und mitten im gigantischen Regenwald einen wirklich unwirklichen Garten angelegt hatte. Ein begeistertes Päärchen aus der Gegend hatte diesen in den 80ern vom wuchernden Wald befreit, und ihn der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Der Windstar holperte uns zum kleinen und komplett leeren Parkplatz. Wir nahmen unser Frühstück unter der Heckklappe ein. Deliziöse Müsliriegel und schwarzer Kaffee, die Milch war leider auch über Nacht sauer geworden. Wir hatten wohl zu laut geschnarcht.

Über einen Waldweg liefen wir den halben Kilometer bis zum Garten, und unterhielten uns dabei laut, um eventuell herumlungernden Bären rechtzeitig Bescheid zu geben. Ronnings Garten war denn auch wirklich die Reise wert. Dies hätte ich gern im Sonnenlicht gesehen. Am Eingang standen gleich die Attraktionen, zwei riesige Monkey Puzzle Trees. Urtümliche Stachelbäume aus Chile. Überall standen Bäume aus Europa - ja hier ist eine Buche ein echter Exot. Wir folgten dem Gartenpfad bis zum Gewächshaus und dort erwarteten uns einige liebevoll in Töpfen drapierte Monkey Tree Setzlinge zum Mitnehmen. Wir haben ernsthaft überlegt, aber wo hätten wir das Pflänzchen unterbringen und 2 Monate versorgen sollen? So ließen wir denn lieber alles an Ort und Stelle und wanderten den Hang langsam wieder hinauf, vorbei an Rododendron und Trillium. Auf halber Höhe lag ein wunderschön verrosteter Traktorenrest, der Reinhard bekam glänzende Augen und von mir die Kamera in die Hand gedrückt, um 20 oder mehr Bilder davon anzufertigen. Gleich daneben fanden wir dann auch wieder Bärenigitt auf dem Weg und der Rückweg war gespickt mit Spuren und deshalb noch mehr lauter, aber sinnloser Konversation.

Reinhard chauffierte uns über spritzige Schlaglöcher vorbei an beängstigend großen, aber zum Glück langsam fahrenden Loggingtrucks voller Baumriesen. Wenigstens grüßen tut einen hier jeder der ein Steuer halten kann. Einmal hielten wir noch an, um uns einen Trail im Wald anzusehen. Der war nur ein Loch im Busch, ganz alleene warn wir auch, und ich verweigerte die Teilnahme am Abenteuerhike im strömenden Regen. Reinhard kam der Gedanke, dass er dort eventuell verschütt gehen könnte und ich ihn dann suchen müsste. Das konnte er mir natürlich nicht antun. Also setzten wir die Segel gen Asphaltpiste. Bis dahin waren es ja nur noch 40 Km Schotterpiste mit lustig hüpfendem Reh, von dem ich einen hervorragend verwackelten Film drehte. Mehrmals kamen wir an bereits beschriebenen Trucks und hier und dort im Wald arbeitenden Leuten mit monströsem Gerät vorbei. Ein Straßenarbeiter war auch darunter, der uns aus seiner Baggerkabine heraus Blinkzeichen gab, dass wir an ihm vorbeifahren sollten. Dann endlich kamen wir zurück in die Zivilisation und plötzlich kamen uns 80 Km/h enorm schnell vor.

In Port Hardy hielten wir zum Tanken an und aßen in der schummrigen Thunderbird Mall den wohl grauhenhaftesten Hotdog der Welt. Ein pappiges Brötchen das schon bessere Tage gesehen hatte ummantelte halbherzig ein knorpeliges lauwarmes Würstchen, und nichtmal Röstzwiebeln gabs in diesem Kaff. Bäähh! Nach diesem unschönen Stopp rauschten wir hinunter nach Campbell River und entschlossen uns, die Fähre nach Quadra Island zu nehmen. Geschwinde gings hinab gen Küste und ich bekam doch tatsächlich so etwas wie umgedrehte Höhenkrankheit. Mir war, als wollte mein Gehirn zu den Ohren heraus und der Magen durch jede sich darbietende Öffnung. Nicht schön. 

Nach nur 10 Minuten Fährfahrt waren wir da und suchten erstmal einen Campingplatz. Der Rebecca Spit Park war leider nur eine Picknik-Einrichtung. Über Nacht durfte man dort nicht bleiben. Mich verließen langsam Nerven und Kräfte, und Reinhard fuhr uns runter an den Hafen wo wir im Herons Inn, dem örtlichen Pub, ein erstaunlich gutes Abendbrot zu uns nahmen. Der Halibut-Burger mit Salat ist sehr zu empfehlen. Danach kehrten wir im We Wai Kwa Resort ein, einen weiteren First Nations Campground. Die freundliche Besitzerin warf einen Blick auf uns, und ließ uns ohne Gebühr für die Nacht ein. Nun musste nur noch das Zelt mit Hilfe des Gaskochers getrocknet werden und das Feuer gestartet. Mal schauen, was uns die Insel morgen bietet.
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