Auf nach Nanaimo

Veröffentlicht auf von Nadja + Reinhard

27. Mai -Nadja-

Ausgeschlafen erwachten wir nach einer dank Ohrstöpseln sehr ruhigen Nacht. Wir hatten ja nicht viel einzupacken, und Zähneputzen konnten wir noch im Haus von Smokey. Dann zogen wir los gen Café Aroma, bestellten unsere Heißgetränke nach Wahl und dazu Croissants vom Vortag. Nach dem Frühstück setzten wir mit der Fähre wieder nach Campbell River über, stürzten von da aus direkt zum Save-on-Foods, packten neue Vorräte ein und verschwanden Richtung Süden. Einmal hielten wir noch an, um unser Auto kurz durchzuchecken und um bei Keith und Janet anzurufen, leider konnten die an genau diesem Abend nicht, weil bereits familiär eingebunden. Wir sagten also nur Bescheid, dass wir eh nochmal auf die Insel kämen und zogen in den strahlenden Sonnenschein hinein. Über den Highway 19 A fuhren wir vorbei an Farmland bis bei uns beiden der Hunger wieder aufkam.

An einer kleinen Farm hielten wir nocheinmal kurz, kramten Cräcker, Cheddar und Frischkäse plus Teller und Messer hervor, damit ich den Reinhard während der Fahrt mit seinem bevorzugten Pausensnack füttern konnte. Wunderbar. Vorbei kamen wir an Kühen, Lamas und Heidschnucken, sahen Werbung für BC Grown Zucchinis, Erdbeeren, Eier, schlachtfrische Hühner (aber nur Donnerstags) und Rindfleisch (immer). Da sag mal einer, die Kanadier wüßten nicht zu leben. Alles direkt vom Erzeuger, ja wo gibts denn sowas noch?

In Qualicum Beach wurde der Reinhard nocheinmal zum Parken gezwungen, weil ich ein Schild an einer Strandhütte gelesen hatte, dem zu Folge dort Softeis in 24!!! Geschmackrichtungen verkauft wurde. Das musste ich sehen und vor allem essen... Wir erstanden jeder eine Portion: Nadja in Kiwi und Reinhard in Rootbeer. Das war lecker, und wir pausierten damit im Strand. Dieser war zugegebenermaßen eine seltene Schönheit bei Ebbe, denn er bestand aus einem breiten, hellen, weichen Sandstreifen. Nur der Wind war uns zu kalt, auch wenn die Einheimischen bereits in TShirt und Minirock über die Promenade liefen.

Wir fuhren durch Parksville hindurch und kamen im Stadtgebiet Nanaimos an. Der Ausdehnung dieser Siedlung zufolge, vermutete ich, dass sie mindestens so viele Einwohner haben müsste wie Hamburg. Auf einem Schild konnten wir dann aber lesen: Population 79, 000. Die bauen hier halt noch neben- und nicht übereinander. Wir wollten in Nanaimo eigentlich nur 2 Dinge: noch einmal bei Walmart rein, um billig Wasser, Bug-Spray und Autoöl zu kaufen, und um im Center einen Musikladen für neue und gebrauchte CDs aufzusuchen. Den Highway rauf und runter eierten wir, kamen erstaunlich oft an der Jinglepot Road vorbei und fanden doch nicht die richtige Ausfahrt. Nach intensivem Schilderscan waren wir endlich auf dem richtigen Weg, und kamen in die Innenstadt. Da wars denn auch schon 6 Uhr durch und der Laden hatte dicht. Mist! Wir brauchten aber dringend mehr Musik, mit nur 4 CDs wird man auf Dauer rammdösig. Also entschlossen wir uns, in Nanaimo zu nächtigen. Ein Campingplatz war schnell ausgesucht, der günstigste sollte es sein. Also das ganze Rumgeeier auf dem Highway reverse und diesmal suchten wir die Jinglepot Road. Die fanden wir auch, aber leider die falsche Ausfahrt. Hier stand auch ein Schild mit Hinweis zu einem Campingplatz, aber dort eingetroffen bekam dieser das Prädikat: leicht unheimlich hier! und 25 $ wollte ich für eine Nacht im Zelt einfach nicht ausgeben.

Nach erneutem Highway-fahren fanden wir die angekündigte Ausfahrt und den versprochenen Campingplatz. Der koreanische Besitzer war begeistert, endlich wieder Deutsche zu sehen und nötigte uns ein freundliches, dauergrinsendes, nickendes Gespräch auf. Hierin erfuhren wir, dass zu seiner Zeit alle Kinder in Korea Deutsch in der Schule hatten, er deutsche Produkte für besonders gut befände und dazu gabs Infomaterial ohne Ende. Bei den meisten Plätzen waren wir zwar schon, aber wir nahmen alles zähnefletschend und uns unablässig leicht verneigend entgegen. Klasse Feuerstarter, der ganze Papierkram. Mit Gesichtskrampf und um 18,90 $ ärmer suchten wir uns eine Campsite aus. Das war nicht schwer, der Platz war sehr übersichtlich.

Schon beim Zeltaufstellen kam unser Nachbar von zwei Plätzen weiter vorne vorbei, um uns einen richtigen Hammer anzubieten. Wir kamen nahtlos ins Gespräch mit Travis, seines Zeichens pensionierter Weltklasse-Kickboxer. War es Rang 16 der Weltbesten? Irgendwie so glaube ich. Wir bekamen auch gleich die Geschichte erzählt, warum ihm 2 Schneidezähne fehlten. Muss ein Mördertritt gewesen sein. Sonst schien der Mann aber schwer in Ordnung und wir luden ihn auf ein Sitin am Lagerfeuer ein, sobald wir unser Abendessen verzehrt hätten.

Nach gar wundervollen, weil sättigenden Vollkornnudeln mit vieeelll Knoblauch und Speck in Tomatensauße, starteten wir unser Feuerchen. Und kaum brannte dies, war auch Travis wieder da. Welch Wunder, noch ein Kanadier mit deutschen Eltern. Aber mehr als "Dankeschön" gabs nicht mehr zu erinnern. Nur dass Essen war irgendwie im Gedächtnis geblieben. Schnitzel und Leberknödelsuppe. Na gut! Auch ok. Wir erzählten viel über unsere Ecke Deutschlands und erfuhren, dass Travis quasi eingeheirateter Kanadier war. Ursprünglich in Miami aufgewachsen, hatte er nach einer schicksalhaften Nacht in Vancouver eine Frau und eine Tochter. So schnell kanns gehen! Wir teilten ein paar Bier, und einige urige Rezepte: Wir warteten mit Saumagen auf, der kam gut an. Weird! war das Urteil. Dafür bekamen wir erzählt, wie man Alligatorschwanz zubereitet. Mit Zwiebelchen und Sellerie solls ein Gedicht sein, aber ein bisschen wie Hühnchen schmecken. Jau! Das muss ich unbedingt probieren, falls ich mal durch Florida komme.

Um Mitternacht wollte und konnte keiner mehr, und wir schlossen die Bar. Gut Nacht!
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