Osooyos und so

Veröffentlicht auf von Nadja + Reinhard

04. Juni -Reinhard-

Gut geschlafen ist halb gefrühstückt, wir brachen auf und gondelten 70 Km nach Süden. Dort ist die Grenze zu den beleidigten Staaten, kein richtiges Ausflugsziel für den Tag. Kurz vorher gibt es aber eine richtige  Wüste, nämlich die Pocket-Dessert zu bestaunen. In der gibt es Kakteen, Klapperschlangen, Kojoten und sehr wenig Regen.

Auf dem Weg zum südlichsten Punkt unserer Reise nahmen wir einen Anhalter mit. Breiter Schlapphut, ergraute Mähne, gegerbtes Fell. Das war Mike, der schon seit Urzeiten als Fruchtfarmer im Tal arbeitete. Sein Einkommen erarbeitete er sich mit pflanzen, pflegen und ernten, für alle Gutsherren der Umgebung. Im Winter verzieht er sich dann in die Berge, um das ganze Pflanzengift wieder aus dem System zu spülen. Die Fahrt über klärte er uns genau darüber auf, welches Gift seit wie vielen Jahren in Boden und Pflanzen gepumpt wird. Wir bekamen einen Reiseführer der Schauergeschichten bis zur Touri-Info von Osooyos.

Dieses Städtchen hielt sehr große Stücke auf seine Einöde, gleich zwei Wüstenzentren warben um unsere Gunst. Wir entschieden uns für das kleinere Übel und fuhren zu einem abgesteckten Stück Brachland, für dessen Betreten wir je den Stundenlohn eines mexikanischen Wanderarbeiters zur Kirschernte zahlten. Die Sonne war echt und sang das Lied der Senge. Immerhin gab es am Anfang des hölzernen Rundweges ein Informationsmuseum mit allerlei Ansichtsmaterial und ausgestopften Fellteilen. Wir machten uns auf den 1,5 Km langen Rundweg durch das dürre Gestrüpp, Nadja bearbeitete die Planken wie Captain Ahab persönlich. Nachdem wir alle Erdlöcher, Kakteen und die Kojotenscheiße beäugt hatten, waren wir davon überzeugt, das es hier überall sehr wüst zuging. Wir hatten genug gesehen und fuhren an die Grenze. Fast wären wir ungewollt den Behörden zum Opfer gefallen und konnten gerade noch umkehren. So etwas war mir hier schon einmal passiert, da hatte der Spass auch gleich zwei Stunden Autoinspektion nach sich gezogen. Wir schauten uns noch eine nette Landzunge im Osooyos Lake an, dort hätten wir vielleicht gerne gezeltet. Dann war es Zeit zurückzufahren. Für einen Besuch auf einem der Weingüter war es bereits zu spät, wir hielten an einem kleinen Liquorstore in Oliver. Die Angestellte war natürlich über das hiesige Weinmekka bestens informiert und wir ließen uns gerne beraten. Nadja bekam einen vielversprechenden Weißwein und Reinhard erfreute sich an einer gut aussehenden Flasche Rotwein. Im Sonnenuntergang erreichten wir unser Hostel und feierten unsere Abendvesper mit Burritos wie am Tag zuvor. Die neuen Weine wurden schnalzend verkostet. Nicht hervorragend aber durchaus ganz genießbare Tröpfeken. Man ist halt verwöhnt. 

Plötzlich tauchte Alex aus Berlin auf, der hatte seinen Weg von Vancouver also auch an diesen Ort gefunden. Wir hatten einen angenehmen Abend.
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J
Pocket Desert? Landzunge? Campsites? Ich sehe Biber und selbstgebastelte Schilfflöße, ich höre Hubschrauber der Borderpatrol und Stromaggregate vom benachbarten Airstream, ich erinnere mich an schlotternde, in Schlafsäcke gehüllte Gestalten, die den Sonnenaufgag kaum erwarten können, an Badezimmersilikon zur Autoabdichtung, an nachmittägliche Haarwäschen und leckere Lagerfeuermahlzeiten. Ich krieg' Heimweh...
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