Tofino - Vancouver Island

Veröffentlicht auf von Nadja + Reinhard

12. Mai -Reinhard-

Als wir uns in einer Regenpause ins Zelt verzogen, empfing uns eine verdächtig lasche Matratze. Eine kurze Untersuchung zeigte Reinhards Bartsensoren ein prächtiges Löchlein am Fußende, das bleibt uns also auch nicht erspart. Was nun? An der Luftpumpe war noch ein Rest Klebeband, womit wir das Leck vorerst vor unseren Augen verbargen. Mit der Wärmflasche war Nadja schnell im Reich der Träume und Reinhard folgte ihr sogleich. Gegen 5 Uhr morgens wachte der Reinhard wieder auf, agressives Balzgezwitscher herumlungernder Vögel erinnerten ihn daran, daß seine Ohrproppel im Auto lagen. Die Nacht war sehr kühl, ca fünf Grad hat es momentan in der Region. Trotzdem schlief der Ray wieder ein und erst gegen zehn waren wir bereit aufzustehen.

Jetzt tat eine Dusche Not. Hier gab es zum Glück eine mit warmen Wasser. Dafür war das Duschhaus um so kühler. Nach dem Frühstück war es fast schon halb eins, die Rühreier schmeckten toll, nur das hiesige Weißbrot war schwer auf dem Gasherd zu rösten. Die Fluffpappe fängt viel zu leicht Feuer.

Nach dem zweiten Tag draußen arbeiteten wir noch an unserer hochgelobten Routine eines eingespielten Teams. Hin und wieder gerieten wir ganz kurz aneinander, es waren meist kleine Reibereien, die kurze Zeit später ziemlich blöde wirkten. Kein Wunder, denn die Umstände arbeiteten bisher spürbar gegen uns. Wir hatten noch keine Zeit das Auto richtig zu reinigen, sozusagen unser Revier zu markieren. Unsere Ausrüstung ist noch nicht ganz komplett, zu Hause liegt alles immer bereit im Keller. Der Pacheedaht-First-Nations Campground hatte eine vielversprechende Internetseite, da konnte noch keiner ahnen, daß wir plötzlich ohne Alternative wildes Campieren im Wald improvisieren mussten. Und schwerer Regen ist immer ein toller Einstieg in die "Great Outdoors". Aber so leicht kriegt man uns nicht, wir sind schließlich Zwanzigminuteneier. Und an diesem Morgen lachte die Sonne.

Wir starteten in Richtung Port Alberni, etwas die Straße zurück. Dort lässt sich gut Einkaufen, doch dann hörten wir den Regionalsender ab und erfuhren von aufziehenden Unwettern am Nachmitteg. Sofort leitete Pilotin Nadja ein Wendemanöver ein, wir setzen den Kurs Richtung Weststrand, der ca 80Km entfernt lag. Wenn wir schon etwas Sonne haben, dann verbringen wir die Zeit auch lieber am Wasser und nicht in irgend einem Laden. Die Straße nach Tofino ist eine wunderschön geschwungene Kurvenpracht für erfahrene Fahrzeuglenker. Wir hatten unser wahre freude, Nadja am Ruder, Reinhard mit der Lichtbildmaschine. Im Pacifik Rim Nationalpark steuerten wir den vielversprechendsten Strandparkplatz an, nur um vor der Parkgebühr von 7.80$ pro Person zurückzuschrecken. Das war vor zehn Jahren aber noch nicht hier. Da fuhren wir flugs ein paar Kilometer weiter, um auf dem Green-Point Campingplatz anzulanden.  Der ist wunderschön am Meer gelegen, mitten im Regenwald und mit urigen Parzellen. Das Zelt wurde aufgestellt und dann ging es zum Meer hinab. Ein tolles Stück rauhe Natur haben die Kanadier uns hier vorgestellt. Sand,Treibholz und viele Felsen dazu. Nach einiger Zeit mussten wir doch noch weiterfahren, denn uns fehlte es an Wasser, Stühlen, Abendbrot, einer Plane u.s.w. Wir erkämpften uns das Notwendige und hielten auf dem Rückweg am Radar Hill an. Einst war dies ein geografisch wichtiger Punkt, in Zeiten des kalten Krieges, um den Klassenfeind zu belauschen, jetzt ist es ein Hügel mit toller Aussicht. Zurück am Campingplatz starteten wir mit den Vorbereitungen für einen schönen Abend. Das Wetter hat gehalten und als es dunkelte, bot sich uns nach dem Abendbrot ein toller Sternenhimmel. Zum Granatapfelcider reichten wir uns über offenem Feuer gegrillte Steaks, dazu Ofenkartoffeln mit Souercream, Röstbrot und einer deftigen Pilzpfanne. Danach gab es noch ein gemütliches Lagerfeuer in einer kristallkühlen Nacht. Im Hintergrund rauschte der Pazifik in der Imitation einer gut befahrenen Autobahn.

Laut Campingplatzreglement sollten alle Lebensmittel sowie lose Campingutensilien immer gut bewacht, bzw weggeschlossen werden, es gibt Wildtiere in der Nähe. Klar, die Bären fallen einem als Erstes ein, aufdringlicher ist hier allerdings die Vogelwelt. An unserer Bucht gibt es zutrauliche Blue Jays, Haubenkrähen die auf den Tisch hüpfen sobald man nicht hinschaut. Ein nistentens Paar Weißkopfadler gibt es auch ein paar Bäume weiter unten. Und wie wir gerade unser Feuerchen genossen, fing der Windstar ohne Grund ein lautes Hupkonzert dank seiner Diebstahlsicherung an, jetzt waren alle wieder wach. Das ist doch die Höhe! Dabei war die Kiste nicht einmal abgeschlossen. Gute Nacht!

PS: Gerade als wir uns gebettet hatten, fing es wieder an zu regnen.



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