Strathcona Park Teil 4

Veröffentlicht auf von Nadja + Reinhard

17. Mai -Nadja-

Wir erwachten vom Rauschen des Baches vor unserem Zelt und der daraufscheinenden Sonne. Jippieh! Ein wolkenloser Himmel empfing uns, als wir aus den Klappen spähten. Sauber und ausgeruht starteten wir mal entschleunigt in den Tag. Bei einem Kafffee und einem Knusperriegel saßen wir auf unseren Campingstühlen am Ralph River und beobachteten wie unsere Partynachbarn vom nächstgelegenen Campground ihren Golden Retriever durch das kalte Wasser jagten. Der arme Hund war wirklich hart im nehmen. Jedesmal wenn er am anderen Ufer angekommen war, war der geworfene Stock bereits in der Masse der herumliegenden Äste verschwunden. Faszinierend wozu die Hundeliebe diese Tiere treibt. Er ließ sich nicht entmutigen, und ich wurde nicht müde, ihm beim Bach-Durchqueren zu beobachten.

Nachdem wir unsere wenigen Spuren verwischt hatten, hinterließen wir einen sauberen Platz und zogen mit unserer Schmutzwäsche gen Gold River. Die Fahrt ging ganz an das andere Ende des Sees. Dort ging er nahtlos über in einen lichten Mischwald und hier wollten wir auf dem Rückweg auch Haltmachen, um die kleinen Trails auf dieser Seite abzuarbeiten. Aber erstmal wollten wir herausfinden, ob man in Gold River auch am Sonntag solche Grundnahrungsmittel wie Kaffee und Bier erstehen kann. Gleich bei der Einfahrt in den Ort, lief uns neben der Tankstelle ein Laundromat über den Weg. Sehr gut. Kurz angehalten, die Maschine mit Loonies (kanadische Ein-Dollar-Münzen) und unseren bedürftigen Drecksachen gefüttert und eine Ecke weiter zum kleinen Einkaufszentrum getuckert. Ein Blick auf die Preise hier bestätigte unseren Verdacht, dass wir uns schon recht weit außerhalb der Zivilisation aufhielten. Puhh! Allein der Kaffee kostete schon gut dass Doppelte vom letzten guten Angebot. Aber ohne unsere morgendliche Infusion wären wir die nächsten Tage nur noch schlechtgelaunt durch die Wälder getobt. Na gut... Aber den Preisen im Liquor Store verweigerten wir uns denn doch. Nicht mal unsere leeren Dosen wurden wir dort los, weil sie die Marken nicht verkauften. Scheibenkleister, dann mussten wir den nach schalem Bier duftenden Beutel eben wieder im Auto verstauen.

Zum Glück war direkt neben dem nichtsnutzigen LS ein Internetcafé mit Wireless-Angebot. Wir bestellten uns dort unsere Mittagessen, BLT für mich und Tuna Salad Sandwich für Reinhard mit günstigem Kaffee inklusive Refil bis zum Abwinken. Nach kurzem Nachdenken beschlossen wir, die Benennung der Fotoalben zu ändern. Mit dem alten System kamen wir ja schon jetzt nicht mehr klar. Die Alben sind jetzt immer nach dem Datum des zuletzt geschossenen Fotos benannt. Nur zur Orientierung.

Das ganze Hochgelade, Umbenenne und Emails-Checken dauerte dann auch wieder gute 2 Stunden und so verbrachten wir den schönen, sonnigen Tag im einem kleinen Café in Gold River. Na ja, als Rentner hat man halt immer was zu tun! Immerhin, der Inhaber - Remi Charete - entpuppte sich nach kurzer Zeit als ein echter Gastgeber-Enthusiast. Nicht nur waren seine Sandwiches echt Spitze, auch war er sehr erpicht eine Konversation in Gange zu bringen, und mir alle seine Gästebücher und von ehemaligen Kunden aus aller Welt geschriebenen Postkarten zu zeigen. Einige der Einträge auf deutsch konnte ich ihm denn auch gleich mal übersetzen, so waren wir alle beschäftigt und keiner hatte Langeweile. Natürlich trugen auch wir uns brav in sein neuestes Gästebuch ein und versprachen, eine Postkarte aus Lübeck zu senden, sobald wir wieder Fuß auf Marzipanland gesetzt haben.

Die trockene, saubere Wäsche holten wir noch ab, und dann fuhren wir zurück gen Zeltlager. Bei den Lady Falls hielten wir noch an, liefen den kleinen Trail den Berg hinan immer dem Rauschen und dem kühlen Sprühnebel nach und kamen am nächsten, imponierenden Wasserfall an. Wie schon mal geschrieben, einer schöner als der letzte. Diesmal wars kein silbernes Gerausche, dass aus einer engen Felsspalte schoss, sondern ein ausgewachsenes Monster von Brüllen und Donnern, das sich uns darbot. Auf der Aussichtsplattform am Fels wurden wir nassgesprüht und brüllten uns unsererseits an, weil wir sonst kein Wort verstanden hätten. Gewaltig.

Auf dem Weg zu unserm Campingplatz sahen wir - vorsichtig, festhalten, jetzt kommts - 3 BÄREN!!! Boahhh! Total verseucht die Gegend hier. Wir haben schon gar nicht mehr alle fotografiert. Irgendwie stumpft man ja doch ab, ne?

Zum Abendbrot gabs Hot Dogs mit wirklich leckerem Relish und leider total besch... Feuerholz. Wir hatten ja noch zwei Tage nachgebucht, und deshalb auch noch einmal Holz nachgekauft. Dieses war vom Qualmfaktor her enorm, nur brennen wollts einfach nicht. Die Würstchen bekamen wir nach schweißtreibendem Blasebalggeblase noch heiß, doch die ersehnte Lagerfeuerromantik danach wollte sich nicht einstellen. Den ganzen Abend hatten wir verfolgen können, wie unser Nachbar auf der ruhigen Seite ohne Unterlaß sein Feuerholz mit einer Axt zerkleinerte. Jetzt wußten wir auch warum, und wollten auch. Ich bin also mit der Petroleum-Lampe hinüber, um die Axt auszuborgen, kam aber mit Nachbar, Feuerholz und Axt zurück. Der gute Mann musste uns für leicht bescheuert gehalten haben, weil wir das qualmende Elend in unserer Verzweiflung inzwischen effektlos auf das festinstallierte Grillgitter gehäuft hatten, in der Hoffnung, dass dort der Wind die Sache schon richten würde. Er gab uns dann jede Menge guter Ratschläge, die wir zwar alle schon kannten, ihm aber trotzdem über alle Maßen dankbar waren, da das Feuer dank seinem mitgebrachten, trockenen Kleinholz jetzt fröhlich brannte. Reinhard zerkleinerte dann mit Wut im Bauch und geliehener Axt (schält sich da nicht ein Muster heraus?) sämtliche unschuldig herumliegende Scheite und wir saßen noch etwas am neu erworbenen Feuer. Schön!

Morgen gibts dann wieder Reinhard auf die Tastatur. Gut Nacht!
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