Leaving Strathcona

Veröffentlicht auf von Nadja + Reinhard

19. Mai -Nadja-

Nach einer ungemein ruhigen Nacht, dank eines völlig entleerten Campingplatzes, erwachten wir ziemlich ausgeschlafen zum Klavierimitat von Reinhards Handy. Auch schön. Wir waren heute mal etwas früher dran, denn das Lager wollte bis 11:00 h abgebaut sein. Zum Glück wars die Nacht davor trocken geblieben, so blieb uns das unerfreuliche Erlebnis eines nassen Zeltes erspart. Nach dem obligatorischen Frühstückskaffee mit Toast und Würstchen stürzten wir uns auf unsere Habseligkeiten.

So gut es ging wurden Zelt, Luftmatratze, Schlafsäcke, Kleidung, Schuhe, Feuerholz, Essen und Trinken wieder im Auto verstaut. Noch schnell die Feuerstelle geharkt, und schon sah es aus, als wären wir nie dortgewesen. Leider hatten wir keine Gelegenheit mehr, uns von unserer Parkrangerin zu verabschieden. Schade eigentlich, die Gute war wirklich sehr freundlich und hilfsbereit. Noch schnell Reinhard und mich ins Auto verfrachtet, und ab ging die Fahrt.

Erstmal nur bis zur nächsten Bootsrampe, zwecks Aufstockung der Vorräte an trockenem Treibholz. Damit bis ans Dach beladen machten wir uns auf den Weg gen Küste. Runter ging die Fahrt, und das rasant. Mehrmals sah man uns wie Fische auf dem Trockenen unseren Mund weit aufreissen, damit es endlich wieder Knack! in den Ohren machte. Muss ein toller Anblick für entgegenkommende Fahrzeuge gewesen sein. Schon in den Bergen zogen dunkle Wolken mit kurzen Schauern auf. Der erstbeste Radiosender bestätigte unseren düsteren Verdacht; Regen, Regen, Regen und mögliche Thunderstorms waren angesagt. Brrr! Habe ich schon erwähnt, dass es kalt ist in Kanada. Kalt wie in: Das kälteste Land der Welt! Aber der Radiomann hatte auch noch eine gute Nachricht für alle Holzfäller und Touristen: Schon ab dem nächsten Tag sollte es einfach "georgeous", also strahlend schön werden. Na gut, wir hofften das Beste. Je tiefer wir an die Küste fuhren, desto tiefer hingen auch die Regenwolken und desto mehr Wasser fiel vom Himmel.  Mit anderen Worten; es goss wie aus Eimern.

Wir entschlossen uns, einen Campingplatz bei Campbell River aufzusuchen. Der versprach BC´s sauberste Waschräume und eine Möglichkeit zum Wäsche waschen. Das überzeugte die dreckigen, durchgekühlten Waldbewohner. Unsere Kleidung und das darunter hatte eine Säuberung schon wieder nötig. Doch vorher wollten wir noch ein wenig Bewegung. Direkt vom Higway 28 ab ging der Weg in einen Wald und versprach einen Rundkurs samt Wasserfall. Das kannten wir schon, und fanden es bisher immer gut. Also schnell nochmal die dicken Schuhe übergestreift, und ab ging der Marsch durch den feuchten Regenwald immer dem Rauschen nach. Kaum am Flussufer angelangt, klamm und kalt trotz der Bewegung, nahm das Drama seinen Lauf. Es rauschte plötzlich etwas mehr über uns, und aus leichtem Nieselregen wurde erst heftiger Niederschlag, dann richtig fieser Hagel. Ich zog mich in den Wald zurück, aber Reinhard und die Kamera wollten Alles, alles, alles! aufnehmen, und pirschten sich über glitschige, glattgeschliffene und moosige Felsen weiter an den tosenden Strom heran. Ich beobachtete das Ganze aus meinem dunkel-feuchten Unterstand heraus und dachte so bei mir: Wenn er da jetzt reinfällt, dann zieh ich ihn nicht raus! Recht so. Immerhin bin ich hier ja im Urlaub, und nicht bei den Pfadfindern.

Natürlich ging alles gut, der Hagel hörte auf und ging wieder in normalen Regen über, wir erreichten den ziemlich beindruckenden Wasserfall, machten die 2 oder 3 Bilder, und trollten uns den steilen Hügel hinan gen Auto. Ich war nass, Reinhard war nass und allen war schon wieder kalt. Wir fuhren die 500 m bis zum Campingplatz, bezahlten für eine Nacht, parkten den Wagen in einer kleinen Campsite und diskutierten die ganze Zeit, wie und wo wir am Besten die Plane aufspannen könnten. Mit leerem Magen ist nicht gut Kirschen essen mit uns beiden. Leicht gereizt stolperte ich das Auto von Campsite zu Campsite, damit sich Reinhard die Platzierung der dort wachsenden Bäume anschauen konnte, zwecks Planen-Standortbestimmung. Nach der endgültigen Entscheidung, wählten wir Campsite 2 und hofften, das sich dort kein Zonk! versteckte.

Die Plane ließ sich zum Glück in einer Nieselregenpause spannen, und wir rückten die Picknickbank darunter, platzierten den heißgeliebten Gaskocher und machten uns erstmal ein Gulasch warm. Herrlich! Heiße Suppe im Magen, pilgerten wir danach gen Duschen und verschwanden jeder für mindestens eine halbe Stunde unter der brühheißen Wonne. Rasieren, zupfen, trimmen... Die menschliche Existenz ist ein ewigwährender Kampf gegen die wuchernde Natur. Stadtfein gemacht schmissen wir eine Ladung Wäsche an und setzen uns neben die rumpelnde Trommel, um endlich mal ein paar Postkarten zu schreiben. Echt schnell die Toplader in Nordamerika. Als wir gerade mit Postkarten und Bildauswahl für unseren Blog fertig waren, war auch die Wäsche wieder sauber und trocken. Danach gings ab nach Campbell River. Wir trieben durch den örtlichen Save-on-Food und gaben Dollars für die nächste Woche im vorraus aus. An der Kasse fragte uns die Kassiererin nach unserer Kundenkarte, und als wir fragten, ob wir auch dann eine bekämen, wenn wir keine Kanadier wären, kam ein "No Problem!" zurück. Gut so, da haben wir schon mal wieder gleich 11 Dollar gespart bei diesem Einkauf und werden wohl noch reichlich mehr sparen bei weiteren Einkäufen. Schönes System, dass man mit der Karte auf beinahe alle Produkte Vorteilspreise erhält. Soviel zum spurlosen Verschwinden im Wald...

Zurück vor Ort, bauten wir das Zelt auf, zickten uns noch 5 Minuten an und kochten gar deliziöse Cheese Maccharoni aus der Tockenfutterabteilung. Bäh! Nicht so ganz mein Fall das süße Gepampe, aber satt machte es auf alle Fälle. Wir zündelten noch ein wenig an unserer Lagerfeuerstelle herum, aber trauten uns kaum, uns zu unterhalten. Auf diesem Platz waren zwar nur noch zwei weitere Campsites belegt, aber alles war unheimlich ruhig und strikte Nachtruheregeln gabs auch. Na egal. Reinhards Schlafsack-Stein wurde noch schnell geröstet, ich bekam meine Wärmflasche und wir verzogen uns ins Zelt.

Gute Nacht da draußen, was immer du sein magst!
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