Telegraph Cove

Veröffentlicht auf von Nadja + Reinhard

20. Mai -Reinhard- Die Sonne begrüßte uns genau so wie der naheliegende Highway. Ungewöhnlich früh hatten wir fertig mit der Nacht, noch vor zehn Uhr war unsere sämtliche Habe verstaut. Sieht so aus, als würden wir heute sehr weit fahren können. Doch vorher mussten noch ein paar Einträge und Bilder hochgeladen werden, es wird elf. Dann brauchten wir noch Benzin und Campinggas, es wird zwölf. Der Verkehr in Campbell River ist ungewöhnlich anstrengend heute, wir warteten uns von einem Ort zum nächsten durch. Keinen Bock auf den Stress, wir griffen uns ein kleines Burgermenue von A&W und teilten uns die leckere Friteuseneinheit auf unserer Flucht aus dem bewohnten Gebiet. Eine Flucht war es wirklich, wir verzichteten sogar auf den Abstecher beim Baumarkt, um uns eine dringend benötigte Kleinaxt zu kaufen. Doch wir waren auch schnell wieder besänftigt, als wir zufrieden schmatzend in den Wald fuhren. Nördlich von der Stadt fängt das Grün an, hier gibt es bis zum Ende der Insel fast nur noch eine Straße, Bäume in vierter Generation, Berge die am Autofenster vorbeiziehen und uns. Also irgendwann wird auch dieser Ausblick langweilig, zum Glück hatten wir frische Kirschen, geschälte Möhrchen und grüne Äpfel um uns wach zu hielten. So kauten wir uns Kilometer um Kilometer voran. Zwischendurch hieß es auch wieder: De Bär, de Bär! Der war aber noch recht klein und schmeckte irgendwie nach Hühnchen.Er hinterließ uns ein Bild für die Statistik. Auf der Karte lasen wir, daß eine Nebenstraße hinauf zum Tagesziel führen sollte, die musste jetzt gefunden werden. Die Strecke führte laut Karte am Lake Bonanza entlang, dort gibt es zwei Campingplätze und am Ende steht Telegraph Cove. Die Kreuzung erkannten wir daran, daß die andere Richtung ausgeschildert war, zu einem Ort der doppelt soweit entfernt lag wie unser Ziel. Wir stolpern über zwei Eisenbahnschienen und folgten der holperigen Schotterpiste. Laut Karte mussten wir uns irgendwann links halten, um nicht an einem anderen See zu enden. Loggingroads kreutzten unsere Bahn, die Schlaglöcher wurden größer und zahlreicher. Irgendwann sah auch unsere Piste aus wie ein Holzfällerweg und auf einem Schlachtfeld an irgendeinem abgeholzten Abhang hatten wir plötzlich fünf gleichwertige Optionen zur Weiterfahrt. Ohne genaue Ortskarte ein aussichtslosen Unterfangen. Unser Vehikel war hier auch so fehl am Platz wie ein Turnschuh in matschigem Gelände. Man kommt irgendwie durch, aber nicht ohne Verluste. Zwei mal hatten wir schon Grundkontakt und das nicht mit den Reifen. Also zurück zum Highway und aussen herum gefahren. Es kam eine Kreuzung mit Teerbahn nach rechts, der folgten wir. An einem Holzhafen hielten wir an, um dem dortigen Treiben eine Weile zuzuschauen. Zum einen gab es da leicht gruselige Radlader mit riesigen Greifzangen daran. Die konnten gleich mehrere dutzend Bäume aufgreifen und diese ins Hafenbecken schmeißen. Dort wartete ein winziges Boot, auf dem nur ein Mann stehend Platz hatte. Dieses Boot schien so unsinkbar wie ein Korken und hatte einen richtig starken Motor. Mit dem ganzen Rumpf drückte es nun die Stämme auseinander und verteilte sie sortiert im Hafenbecken in schwimmende Felder. Dann erreichten wir Telegraph Cove, ein Touristenort aus dem Bilderbuch mit 6 offiziellen Einwohnern. Einst war der Ort nicht viel mehr als eine Telegraphenstation und ein Fischerdorf, heute ist es eine pitoreske Einnahmequelle der Einheimischen. Die kleine Bucht beherbergt einen kleinen Hafen für kleine Boote. Über der Gezeitenlinie ist an den Felsen eine massive Holzterasse gebaut worden und darauf stehen die kleinen antiken Holzhäuser der Pioniere. Oberhalb des Ortes gibt es einen Campingplatz im Wald, etwas verwildert aber mit Dusche. Wir bezogen eine Bucht am Bach und spannten die blaue Plane. Das war wieder ein lustiges Unterfangen und während Nadja die Zeltstadt richtete, widmete sich Reinhard der Feuerstelle. Nach kurzem Anfeuern riss er alles wieder auseinander und entfernte fünf Zentimeter schlammiger Asche. Dann wurde der schwere Eisenring so gestellt, daß ordentlich Luft zirkulieren konnte und schon brannte die Luzie. Es war noch früh und wir wollten Grillkohle zum Rösten des Schweinefilets haben. Nadja hatte auch gewürzte Kartoffeln vorbereitet und eine Paprikaschale. Doch irgendwie dauerte es ziemlich lange, bis wir endlich unsere Glut hatten und es artete in Arbeit aus. Irgendwie brannte unser Holz hier nicht so gut wie anderswo. Hätten wir doch bloß ein Beil zur Hand. Die Glut war nicht hoch genug, ein kühler Wind fegte durch den Wald, wir schichteten neue Scheite drauf und beackerten mit dem Blasebalg von rechts und links das rauchende Zeug. Gemütlich wurde es uns nicht dabei, aber am Ende wurden wir mit einem köstlichen Nachtmahl belohnt. Das war genug für diesen Tag.
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